Jahrhundertfrauen - Bening,Annette/Fanning,Elle/Crudup,Billy/+
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Einfühlsame und einprägsame Erinnerungen von Mike Mills an seine Mutter und den südkalifornischen Sommer von 1979.
Gnadenlos autobiographische Filmstoffe sind die Spezialität von Mike Mills, einer der prägenden Grafiker und Clipregisseure der Neunzigerjahre, der mit seiner Arbeit für die Beastie Boys oder Sonic Youth Berühmtheit erlangte. Das traf auf "Beginners" zu, in dem Mills, verpackt in eine fiktive Geschichte, von seinem Vater erzählte, der sich nach dem Tod seiner Frau im Alter von 75 Jahren zu seiner Homosexualität bekannte und danach den Rest seines Lebens glücklich als schwuler…mehr

Produktbeschreibung
Einfühlsame und einprägsame Erinnerungen von Mike Mills an seine Mutter und den südkalifornischen Sommer von 1979.

Gnadenlos autobiographische Filmstoffe sind die Spezialität von Mike Mills, einer der prägenden Grafiker und Clipregisseure der Neunzigerjahre, der mit seiner Arbeit für die Beastie Boys oder Sonic Youth Berühmtheit erlangte. Das traf auf "Beginners" zu, in dem Mills, verpackt in eine fiktive Geschichte, von seinem Vater erzählte, der sich nach dem Tod seiner Frau im Alter von 75 Jahren zu seiner Homosexualität bekannte und danach den Rest seines Lebens glücklich als schwuler Mann lebte. Nun setzt der Filmemacher seiner Mutter ein Denkmal und erinnert sich dabei an seine eigenwillige Jugend Ende der Siebzigerjahre in Santa Barbara: Unverkennbar ist der 15-jährige Jamie nach dem eigenen Vorbild entstanden, der hier von seiner Mutter allein groß gezogen wird und ihr auf dem Weg vom Jungen zum Mann zunehmend zu entgleiten droht. Um ihn in dieser schwierigen Phase ohne Mann im Haus nicht zu verlieren, bittet sie zwei weitere Frauen aus Jamies Umfeld darum, sie bei der Erziehung des Sohnes zu unterstützen. Abbie ist eine Fotografin mit flammend roten Haaren, die sich in der aufkeimenden Punkszene Südkaliforniens zu Hause fühlt, Julie das hübscheste Mädchen in Jamies Schule, in das er natürlich verschossen ist, während sie nur Freundschaft will, wenn sie nach Eskapaden mit anderen Jungs zu Jamie unter die Decke schlüpft, um zu kuscheln. Allein die Konstellation birgt hinlänglich Stoff für adoleszente Konfusion. Und wie immer fängt Mills Atmosphäre für Raum und Zeit perfekt ein, mit subtilen Beobachtungen und extra viel Liebe für seine Figuren, die allesamt ihr Päckchen zu tragen haben. An "Laurel Canyon" muss man unweigerlich denken, an "The Kids Are All Right", ebenfalls mit Annette Bening in der Hauptrolle, auch, aber obwohl Südkalifornien und Punkrock im Spannungsfeld zwischen Talking Heads und Black Flag immer in der Luft liegen und den Film klar als eine amerikanische Geschichte definieren, ist doch die Nähe zu Truffaut unverkennbar: Jamie wird hier zwar eher geküsst als geschlagen, aber doch wacht der Geist von Antoine Doinel über diese Erinnerung an einen Sommer, in dem sich für alle Beteiligten alles verändert, ohne dass erschütternd viel Dramatisches passieren müsste: Wie die besten Filme über Jugend, fühlt sich auch "Jahrhundertfrauen" wie aus dem Leben gegriffen an. ts.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Extras: Audiokommentar von Regisseur Mike Mills Making-of Cast
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 DVD
  • Hersteller: Splendid Entertainment
  • Gesamtlaufzeit: 114 Min.
  • Erscheinungstermin: 29. September 2017
  • FSK: ohne Alterseinschränkung gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:2, 00/16:9
  • Tonformat: Dolby Digital 5.1
  • EAN: 4013549088169
  • Artikelnr.: 48127134
Rezensionen
Besprechung von 18.05.2017
Wann wird ein Mann ein Mann?
Mike Mills' neuer Film "Jahrhundertfrauen" mit Annette Bening

Als Jamie nach einer Mutprobe ins Krankenhaus kommt, reicht es seiner Mutter Dorothea. Fünfzehn ist der Junge nun, wächst ohne Vater auf und denkt, Atemnot bis zur Ohnmacht sei ein Spiel. Fehlt ihm das männliche Vorbild? Wie kann man ihn zu einem richtigen Mann machen - und was hieße das überhaupt, in Santa Barbara im Jahre 1979? Dorothea beschließt, andere Frauen in die Erziehung mit einzubinden, nämlich ihre Mitbewohnerin Abbie (Greta Gerwig), eine junge Fotografin aus New York, und Jamies beste Freundin Julie (Elle Fanning).

"Jahrhundertfrauen" lautet der deutsche Titel, der eher eine Biographiensammlung vermuten lässt; treffender wäre die wörtliche Übersetzung gewesen: "Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts". Dorothea (Annette Bening) ist die lässigste von ihnen. Sie arbeitet als Zeichnerin in einem Architekturbüro, lehnt sämtliche Avancen von Kollegen ab und raucht die ganze Zeit. Um Dorothea aus der Fassung zu bringen, muss schon mindestens ihr Auto auf dem Parkplatz des Supermarktes Feuer fangen. Aber das Auto war ohnehin alt. "Es ist nicht immer alt gewesen, es wurde ganz plötzlich so", sagt ihre Stimme aus dem Off - und spricht dabei natürlich von ihr selbst.

Regisseur Mike Mills hat sein Händchen für Familiengeschichten bereits bewiesen. "Thumbsucker" von 2005 begleitete einen jungen Mann beim Erwachsenwerden mit Daumen im Mund, während "Beginners" 2010 die Geschichte von Mills' eigenem Vater behandelte, der im hohen Alter sein Coming-out wagte. Beide Themen hätte man vollkommen klamaukig erzählen können. Aber Mills interessiert sich nicht für Klamauk, er interessiert sich für Herzlichkeit und Aufrichtigkeit. Das macht auch "Jahrhundertfrauen" zu einem klug amüsanten Film.

Mike Mills erhielt eine Oscar-Nominierung für das Drehbuch und wahrscheinlich auch für den Mut, zwei Off-Stimmen einzusetzen. Denn neben Dorothea kommentiert ihr Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann) die Ereignisse. Leider kann man nicht behaupten, dass die Doppelperspektive den Film enorm weiterbringt, doch die Off-Stimmen sind immerhin so leicht zuzuordnen, dass keine Verwirrung entsteht. Denn Jamie ist fast der einzige Mann im Haus, der überhaupt redet. Zur herrlichen altmodischen Ausstattung des Films passen auch die Farben: als läge ein pastelliger Retro-Filter über allem. Da wirkt Annette Benings Figur Dorothea, die der Mutter des Regisseurs nachempfunden ist, besonders lebendig und modern. Ihre Sturheit, Anmut und ihr Stolz überstrahlen den Film; ihre Kopfhaltung, wenn jemand Punk den Talking Heads vorzieht, sagt mehr als jeder Dialog. Elle Fanning und Greta Gerwig ziehen sich daneben auf eher spröde Darstellungen zurück, schließlich wurden sie als die coolen jungen Frauen engagiert.

Was diese jungen Frauen Jamie beizubringen haben, passt seiner Mutter allerdings nicht so recht. Julie lehrt ihn, wie man sich von seiner besten Freundin das Herz brechen lässt. Abbie klärt ihn über Feminismus und Frauen auf. Das macht Jamie nicht zum perfekten Mann, doch immerhin zu einem, der sich mit Maulhelden prügelt, die keine Ahnung von klitoraler Stimulation haben. Die wichtigste Lehre, wichtiger noch als die Kenntnis der weiblichen Anatomie, erhält Jamie auch von Abbie: "Wie auch immer du dir dein Leben vorstellst - du kannst dir sicher sein, dass es ganz anders ablaufen wird."

JULIA BÄHR

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Nachdem er seinem Vater in "Beginners" bereits ein Denkmal gesetzt (und Christopher Plummer einen Oscar beschert) hatte, erzählt Mike Mills in einem abermals zutiefst autobiografischen Film von seiner Mutter - und seiner Jugend im Santa Barbara des Jahres 1979. Getragen wird der Film von seinen starken Hauptdarstellerinnen Annette Bening, Greta Gerwig und Elle Fanning, aber in Erinnerung bleibt vor allem die tief empfundene Darstellung der damaligen Punkszene als Hort missverstandener Kids. Großer Film.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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